Beim Blackout denken alle an Kälte. Tatsächlich ist der Sommer der gefährlichere Fall: Ohne Strom fallen Klimaanlage, Ventilator und Kühlschrank gleichzeitig aus, und anders als im Winter lässt sich Hitze nicht durch Anziehen lösen. In Hitzewellen sterben in Deutschland jedes Jahr mehrere tausend Menschen – auch mit Strom.
Der Tagesrhythmus entscheidet mehr als jedes Gerät
Die wirksamste Maßnahme kostet nichts: nachts und in den frühen Morgenstunden querlüften, tagsüber Fenster geschlossen halten und verschatten. Wer bei dreißig Grad Außentemperatur das Fenster öffnet, um zu lüften, holt die Hitze herein. Ab etwa neun Uhr morgens bleibt zu, ab etwa zweiundzwanzig Uhr wird geöffnet.
Verschattung wirkt außen deutlich besser als innen, weil die Wärme dann gar nicht erst durch die Scheibe kommt. Rollläden, Markisen und Außenjalousien schlagen jeden Innenvorhang. Wo nur innen etwas geht, sind helle, reflektierende Stoffe die richtige Wahl.
Wärmequellen in der Wohnung abschalten
Ein Blackout hat hier einen ungewollten Vorteil: Backofen, Herd, Wäschetrockner und Beleuchtung fallen ohnehin aus. Wer mit Notstrom arbeitet, sollte diese Reihenfolge trotzdem kennen – Kochen heizt die Wohnung stärker auf als alles andere und gehört an heißen Tagen in die späten Abendstunden oder nach draußen.
Kühlschrank und Gefriertruhe bleiben geschlossen. Ein gefüllter Gefrierschrank hält bei Zimmertemperatur etwa vierundzwanzig Stunden, ein halbleerer deutlich kürzer. Jedes Öffnen kostet Stunden. Wer Kühlakkus vorrätig hat, verteilt sie am ersten Tag in den Kühlschrank – sie sind dann gleichzeitig Kältereserve und Kühlung für den Körper.
Den Körper kühlen, nicht die Wohnung
Wenn die Wohnung nicht mehr kühl zu halten ist, verschiebt sich das Ziel: Es geht um den Körper. Wirksam sind kühle Unterarmbäder, feuchte Tücher im Nacken und an den Handgelenken, leichte helle Kleidung und vor allem Trinken – über den Tag verteilt, nicht in großen Mengen auf einmal.
Bei Hitzschlag zählt jede Minute: heiße trockene Haut, Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung, ausbleibendes Schwitzen. Das ist ein Notfall für die 112, keine Sache für kaltes Wasser und Abwarten. Ältere Menschen, Kleinkinder und chronisch Kranke sind deutlich früher betroffen als gesunde Erwachsene.
Wer im Blick behalten werden sollte
Ältere Menschen empfinden Durst schwächer und trinken deshalb zu wenig. In der Hitzewelle gehört ein täglicher Anruf oder Besuch bei Nachbarn und Verwandten über achtzig zur Vorsorge – das ist die Maßnahme mit dem größten Effekt und dem geringsten Aufwand. Ohne Strom fällt zusätzlich der Hausnotruf aus, was diese Runde noch wichtiger macht.
Was hilft, wenn der Strom fehlt

1. Thermovorhang mit Hitzeschutz
Ein dichter, heller Vorhang reduziert die Einstrahlung spürbar und wirkt zusätzlich als Isolierung gegen die aufgeheizte Scheibe. Er ersetzt keine Außenverschattung, ist aber die einzige Lösung, die in jeder Mietwohnung ohne Zustimmung möglich ist. Wichtig ist eine helle Außenseite – dunkle Stoffe heizen sich selbst auf.

2. UV-Sonnenschutzfolie für Fenster
Eine Fensterfolie wirkt dauerhaft und ohne Zutun – auch wenn tagsüber niemand da ist, um Rollläden zu schließen. Sie senkt den Wärmeeintrag an Süd- und Westfenstern, wo die Nachmittagshitze entsteht. Das blasenfreie Anbringen braucht Geduld, viel Sprühwasser und am besten zwei Personen.

3. Akku-Handventilator
Ein Ventilator kühlt die Luft nicht, er beschleunigt die Verdunstung auf der Haut – und genau das ist der Punkt, auf den es beim Körper ankommt. Mit Akku funktioniert er auch ohne Netz. In Kombination mit einem feuchten Tuch im Nacken ist der Effekt deutlich größer als mit Luftstrom allein.

4. Kühlakkus im Achterset
Kühlakkus im Gefrierfach sind doppelt nützlich: Sie verlängern die Kühlzeit des Gefrierschranks bei Stromausfall und dienen anschließend als direkte Kühlung. Nie direkt auf die Haut legen, sondern in ein Tuch schlagen – sonst drohen Kälteschäden. Nacken, Leiste und Handgelenke wirken am besten.

5. Isolierflasche aus Edelstahl
Eine Isolierflasche hält gekühltes Wasser über Stunden trinkbar, auch wenn der Kühlschrank längst warm ist. Bei Hitze zählt weniger die einzelne große Menge als die stetige Aufnahme über den Tag – eine Flasche in Reichweite erinnert daran. Anderthalb Liter sind eine sinnvolle Größe für einen halben Tag.
Fazit
Nachts lüften, tagsüber schließen und verschatten, Wärmequellen aus, Kühlschrank zu lassen. Wenn die Wohnung trotzdem nicht mehr kühl bleibt, verlagert sich alles auf den Körper: trinken, befeuchten, Luft bewegen, sich nicht anstrengen. Und die Runde bei den älteren Nachbarn ist keine Nettigkeit, sondern die wirksamste Einzelmaßnahme der ganzen Liste.















