Krisenvorsorge scheitert selten am Wissen und oft am Preisschild. Wer die üblichen Ausrüstungslisten liest, landet schnell im vierstelligen Bereich und legt sie beiseite. Dabei deckt der erste Hunderter den größten Teil des realistischen Risikos ab – weil er die häufigsten Fälle trifft, nicht die dramatischsten.
Die Reihenfolge ist wichtiger als die Summe
Der häufigste Ernstfall in Deutschland ist ein Stromausfall von einigen Stunden bis zu zwei Tagen, meist nach Sturm oder bei Bauarbeiten. Danach kommen Leitungsschäden bei der Wasserversorgung und ausgefallene Heizungen im Winter. Auf diese drei Fälle zielt der erste Hunderter.
Was er nicht abdeckt: wochenlange Ausfälle, Notstrom für den Kühlschrank, Wasseraufbereitung aus dem Bach. Das sind sinnvolle nächste Schritte, aber keine Voraussetzung. Wer mit dem teuersten Posten anfängt, hat am Ende ein Solarpanel und keine Taschenlampe.
Was zuerst gekauft wird
Licht steht an erster Stelle, weil ohne Licht nichts anderes funktioniert. Dann Information – ein Radio, das ohne Netz arbeitet, weil Mobilfunk und Internet bei größeren Ausfällen mit ausfallen. Dann Wasser, dann Energie für die Geräte, die man ohnehin hat.
Zum Vergleich: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt einen Vorrat für zehn Tage. Der ist mit hundert Euro nicht zu machen. Aber Trinkwasser für die ersten Tage, Licht, Radio und geladene Geräte sind es – und damit ist der Sprung von völlig unvorbereitet auf handlungsfähig geschafft.
Was Sie vermutlich schon haben
Bevor Sie etwas kaufen: Ein Vorrat an Konserven und Nudeln existiert in den meisten Haushalten bereits, er ist nur nicht als Vorrat organisiert. Kerzen, Feuerzeug, Wolldecken, ein Erste-Hilfe-Kasten im Auto, Wanderrucksack, Campingausrüstung – vieles liegt schon da. Eine Stunde Inventur spart mehr Geld als jeder Preisvergleich.
Auch die Badewanne zählt: Zeichnet sich ein Ausfall der Wasserversorgung ab, wird sie gefüllt. Das ist Brauchwasser für die Toilettenspülung und kostet nichts.
Die fünf Anschaffungen

1. LED-Taschenlampen im Doppelpack
Batteriebetrieben statt Akku ist hier bewusst richtig: Ein leerer Akku lässt sich ohne Strom nicht laden, Batterien lagern jahrelang. Zwei Lampen bedeuten eine pro Person oder eine als Reserve. Kerzen sind kein Ersatz – offene Flammen in einer dunklen, ungewohnten Wohnung sind die häufigste Brandursache bei Stromausfall.

2. Kurbelradio mit Solar und Akku
Bei einem größeren Ausfall bricht Mobilfunk innerhalb weniger Stunden zusammen, wenn die Notstromversorgung der Masten endet. UKW-Rundfunk läuft weiter und ist der Weg, auf dem Behörden informieren. Ein Gerät mit Kurbel funktioniert unabhängig von allem anderen – prüfen Sie einmal jährlich, ob es das noch tut.

3. Wasserkanister, zwei mal zehn Liter
Als Rechengröße gelten zwei Liter Trinkwasser pro Person und Tag, plus Wasser zum Kochen. Zwei Kanister decken für zwei Personen etwa vier bis fünf Tage. Zwei kleinere sind besser als ein großer: tragbar, und wenn einer kippt, ist nicht alles weg. Wasser alle sechs Monate wechseln.

4. Powerbank mit 20.000 mAh
Damit lädt ein durchschnittliches Smartphone etwa drei- bis viermal – genug, um mehrere Tage erreichbar zu bleiben, solange das Netz steht. Wichtig ist die Pflege: alle paar Monate nachladen, sonst ist sie im Ernstfall leer. Eine ungeladene Powerbank ist der häufigste Fehler in der ganzen Liste.

5. Batterien AA im Vorratspack
Der unspektakulärste Posten und der, an dem alles hängt: Taschenlampe, Radio, Melder. Kaufen Sie eine Größe für möglichst viele Geräte und lagern Sie kühl und trocken. Alkaline-Batterien halten ungeöffnet viele Jahre. Notieren Sie das Kaufdatum auf der Packung, dann sehen Sie beim nächsten Blick, wie alt der Vorrat ist.
Fazit
Diese fünf Posten liegen zusammen ungefähr im Bereich von hundert Euro – Preise ändern sich, die Reihenfolge nicht: Licht, Information, Wasser, Energie, Batterien. Machen Sie vorher eine Stunde Inventur, dann fällt mancher Posten weg. Und der wichtigste Schritt kostet gar nichts: die Sachen an einen Ort legen, den Sie im Dunkeln finden.

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